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ST.01 / LEITFADEN

Die wichtigsten Fulfillment-KPIs - und wie du sie misst.

Sieben Kennzahlen entscheiden, ob dein Lager läuft und ob du es deinen Kunden beweisen kannst. Was jede misst, wie man sie sauber rechnet und welche Messfehler die Zahlen still verfälschen.

Ein Fulfillment-Betrieb wird nicht durch Bauchgefühl gesteuert, sondern durch Zahlen. Das Problem: In einer Warenwirtschaft wie JTL-WaWi stecken die Rohdaten zwar drin, aber nicht in der Form, die du für Steuerung und Kundengespräche brauchst. Die folgenden sieben Kennzahlen sind die, auf die es im 3PL-Alltag wirklich ankommt. Für jede gilt: erst sauber definieren, dann messen - sonst misst du etwas anderes, als du glaubst.

Fulfillment-KPIs sind die Kennzahlen, mit denen ein Fulfillment-Dienstleister Versandleistung, Qualität und Kosten pro Mandant steuert. max.dash ist ein read-only Operations-Cockpit für JTL-Fulfillment-Dienstleister (3PL) im DACH-Raum. Wir lesen die JTL-WaWi (eazybusiness) rein lesend und liefern SLA-Reporting pro Mandant, Versandleistung pro Mitarbeiter, ein mandantengetrenntes Kundenportal und Abrechnungs-Mengen-Export - ohne Systemwechsel.

AUF EINEN BLICK
  • Zentrale Fulfillment-KPIs: SLA-Quote, Versandleistung pro Stempelstunde, Retourenquote, Durchlaufzeit, Lagerreichweite.
  • Mitarbeiter-Leistung ehrlich messen: Pakete geteilt durch echte Stempelstunden, nicht durch die Scan-Spanne.
  • Jede Kennzahl pro Mandant trennen - Mischwerte verstecken Quersubventionierung.
  • KPIs sind Lagermessung, keine Buchhaltung - max.dash liefert die Mengen- und Leistungsbasis.

01 - Pakete pro Tag

Was es ist. Das Versandvolumen ist die Grundkennzahl jedes Lagers: wie viele Sendungen verlassen pro Tag das Haus. Sie ist die Bezugsgröße für fast alles andere - Personalplanung, Kostenrechnung, Kapazitätsgrenzen.

Wie man es misst. Gezählt werden tatsächlich versendete Pakete, nicht erstellte Lieferscheine. Das klingt nach Haarspalterei, ist aber der erste Fallstrick: Der Zeitpunkt "Lieferschein erstellt" und der Zeitpunkt "Paket physisch versendet" weichen voneinander ab. Wer am Lieferschein-Datum zählt, bucht Sendungen tendenziell zu früh und sieht Tagesspitzen am falschen Tag. Belastbar ist das Versanddatum aus dem Versanddatensatz.

  • Pro Tag, pro Woche, pro Monat - und pro Mandant getrennt, wenn du für mehrere Marken arbeitest
  • Vergleich gegen Vortag und gegen denselben Wochentag der Vorwoche, nicht gegen einen glatten Durchschnitt
  • Wochenenden und Feiertage als Nuller bewusst behandeln, sonst zieht der Schnitt nach unten

Typische Fallstricke. Mehrpaket-Sendungen doppelt zählen (ein Auftrag, drei Pakete) verzerrt die Personalrechnung; halte Aufträge und Pakete als zwei getrennte Zahlen. Und Stornos, die nach Versand zurückgenommen werden, gehören herausgerechnet.

02 - Versandleistung pro Mitarbeiter

Was es ist. Wie viele Pakete (oder Picks) ein Mitarbeiter pro Stunde schafft. Das ist die Kennzahl, an der echte Produktivität hängt - und gleichzeitig die, die am häufigsten falsch gemessen wird.

Wie man es misst. Picks pro Stunde und Packs pro Stunde getrennt betrachten, weil Kommissionieren und Packen unterschiedliche Tätigkeiten mit unterschiedlichen Taktzeiten sind. Die ehrliche Formel lautet: Menge geteilt durch tatsächlich gearbeitete Zeit. Genau hier liegt der Hund begraben. Live und pro Mitarbeiter siehst du diese Rate in den Auswertungen.

Ein Mitarbeiter ist neun Stunden eingestempelt, scannt seine Pakete aber in einem Zwei-Stunden-Fenster. Die Scan-Spanne (erster bis letzter Scan) zeigt dann fast 50 Pakete pro Stunde. Die echte Leistung gegen die gestempelte Arbeitszeit liegt bei elf. Beide Zahlen sind "korrekt" gerechnet - aber nur eine ist ehrlich.

Typische Fallstricke. Die Scan-Spanne (Differenz zwischen erstem und letztem Scan) ist verführerisch, weil sie ohne Zeiterfassung auskommt - und genau deshalb gefährlich. Sie blendet jede Nicht-Pack-Zeit aus: Warten auf Nachschub, Rüstzeit, Pausen, Mithilfe woanders. Belastbar wird die Zahl erst gegen echte Stempelzeiten aus der Zeiterfassung. Fehlt ein sauberes Mapping zwischen Scanner-Benutzer und Zeiterfassungs-Mitarbeiter, hast du für diese Person nur Mengen, keine Rate - das ist ehrlicher als eine erfundene Rate. Wie diese Messung im Detail aufgebaut wird, steht im Leitfaden zur Mitarbeiterleistung.

03 - SLA- und Pünktlichkeitsquote

Was es ist. Der Anteil der Aufträge, die innerhalb der vertraglich zugesagten Frist versendet wurden - typisch "Versand am selben Tag bei Bestelleingang bis Cutoff" oder "Versand in 24 Stunden". Das ist die Kennzahl, die im Kundengespräch zählt, weil sie direkt am Vertrag hängt.

Wie man es misst. Pro Auftrag: Lag der Versandzeitpunkt innerhalb der Soll-Frist? Der Soll-Versandtag ergibt sich aus dem Bestelleingang plus den Regeln des Mandanten. Die Quote ist dann pünktliche Aufträge geteilt durch alle wertenden Aufträge, sauber pro Mandant gerechnet, weil jeder Kunde eigene Cutoff-Zeiten und Zusagen hat.

  • Cutoff-Zeit je Mandant: Bestellungen nach Cutoff zählen erst auf den nächsten Werktag
  • Werktage und Feiertage gehören aus der Fristberechnung heraus - sonst ist jedes Wochenende ein SLA-Bruch
  • Rückhalte, Backorder und Storno sind keine wertenden Aufträge und müssen ausgeschlossen werden

Typische Fallstricke. Die größten Fehler stecken in der Definition, nicht in der Rechnung. Wer zurückgehaltene Bestellungen (fehlende Zahlung, Betrugsprüfung, Kundenwunsch) als verspätet wertet, bestraft sich für Dinge, die nicht im eigenen Verantwortungsbereich liegen, und die Quote sieht künstlich schlecht aus. Ebenso verbreitet: Kalendertage statt Werktage rechnen, oder eine pauschale 24-Stunden-Regel über alle Mandanten legen, obwohl die Verträge unterschiedliche Fristen vorsehen. Die Regeln gehören einmal pro Mandant sauber modelliert - danach läuft die Messung automatisch und hält dem Vertrag stand.

04 - Durchlaufzeit (Lead Time)

Was es ist. Die Zeit von Bestelleingang bis Versand. Während die SLA-Quote nur "drin oder draußen" kennt, zeigt die Durchlaufzeit das ganze Spektrum: Wo liegt der Median, wo der lange Schwanz, welche Aufträge hängen.

Wie man es misst. Differenz zwischen Versandzeitpunkt und Bestellzeitpunkt, ausgewertet als Verteilung. Der Median ist aussagekräftiger als der Mittelwert, weil einzelne Ausreißer (lang liegende Sonderfälle) den Schnitt sonst nach oben ziehen. Sinnvoll nach Mandant und nach Auftragstyp getrennt.

Typische Fallstricke. Die rohe Differenz aus Bestell- und Versanddatum ignoriert Wochenenden, Feiertage und Rückhaltezeiten - dieselben Definitionsfragen wie bei der SLA-Quote. Eine bereinigte Durchlaufzeit (nur Werktage, ohne Rückhalte) gibt das echte Bild. Wichtig ist, beide nicht zu vermischen: die rohe Zahl für den internen Schnellblick, die bereinigte für den Vertragsnachweis.

05 - Retourenquote

Was es ist. Der Anteil der Sendungen, die ganz oder teilweise zurückkommen. Hohe Retouren fressen Marge und binden Personal im Wareneingang - und sie sind oft das erste Warnsignal für ein Produkt- oder Prozessproblem.

Wie man es misst. Retouren geteilt durch versendete Sendungen, über ein definiertes Fenster (zum Beispiel rollierende 30 Tage). Pro Mandant getrennt, weil Retourenniveaus stark vom Sortiment abhängen - Bekleidung verhält sich völlig anders als Nahrungsergänzung.

  • Bezugszeitraum klar definieren: Retouren laufen den Sendungen zeitlich hinterher
  • Quoten- statt Mengenvergleich, sonst sieht jeder Volumenanstieg wie ein Retourenproblem aus
  • Falls verfügbar, Retourengründe mitführen, um Ursachen von Symptomen zu trennen

Typische Fallstricke. Der häufigste Fehler ist der Zeitbezug: Eine Retoure von heute gehört zur Sendung von vor zwei Wochen, nicht zum heutigen Versand. Wer beides am selben Tag ins Verhältnis setzt, bekommt in Wachstumsphasen künstlich niedrige und in Flautephasen künstlich hohe Quoten.

06 - Kosten pro Auftrag

Was es ist. Was dich die Abwicklung eines Auftrags im Schnitt kostet - Personal, Verpackung, Versand, anteilige Fixkosten. Die Kennzahl, an der entschieden wird, ob ein Mandant profitabel ist oder ob die Konditionen nachverhandelt gehören.

Wie man es misst. Relevante Kosten einer Periode geteilt durch die Zahl der abgewickelten Aufträge derselben Periode. Je nach Frage einmal als reine Pick/Pack-Kosten (nur Lagerleistung) und einmal vollkostenbasiert. Sauber wird es erst, wenn du die Versandleistung und die Mengen pro Mandant kennst - dann lässt sich der Kostenblock verursachungsgerecht zuordnen.

Typische Fallstricke. Mischkalkulation über alle Mandanten versteckt Quersubventionierung: Der große, einfache Mandant trägt den kleinen, aufwändigen, ohne dass es jemand sieht. Und ein reiner Stückkostenwert ohne Mengenbezug ist wertlos, weil Fixkostenanteile pro Auftrag mit dem Volumen sinken. Diese Kennzahl ist Rechnungswesen, nicht Lagermessung - max.dash liefert dafür die Mengen- und Leistungsbasis, ersetzt aber keine Buchhaltung oder Rechnungsstellung.

07 - Lagerbestand und Reichweite

Was es ist. Wie viel Ware liegt, und wie lange reicht sie beim aktuellen Abverkauf. Reichweite (Bestand geteilt durch durchschnittlichen Tagesabverkauf) ist die steuerungsrelevante Form - sie sagt, wann nachbestellt werden muss, bevor ein Artikel leerläuft.

Wie man es misst. Bestand zum Stichtag, Abverkauf als gleitender Schnitt über einen realistischen Zeitraum. Pro Artikel und pro Mandant, weil Mischwerte über alle Artikel die Leerläufer und die Ladenhüter gegenseitig kaschieren.

Typische Fallstricke. Ein zu kurzes Abverkaufsfenster macht die Reichweite nervös - ein einzelner Großauftrag lässt sie kippen. Ein zu langes Fenster reagiert nicht auf echte Trends. Bei stark saisonalen Sortimenten führt der Jahresschnitt regelmäßig in die Irre. Diese Kennzahl ist im Fulfillment-Cockpit bewusst nachrangig: Bestandsführung ist die Domäne der Warenwirtschaft, das Cockpit liest sie nur mit und macht Reichweiten sichtbar, statt sie aktiv zu steuern.

Vom Rohdatum zur Kennzahl

Die Daten für all diese Kennzahlen liegen bereits in deiner JTL-WaWi. Was fehlt, ist die Schicht, die aus Versanddatensätzen, Aufträgen und Zeiterfassung belastbare, mandantengetrennte Zahlen macht - und zwar so, dass die Definitionsfallen oben gar nicht erst greifen. Genau dort setzt max.dash an: Wir lesen dein System nur, spiegeln es read-only und bauen das Cockpit obendrauf, ohne dass du etwas an deinem laufenden Betrieb änderst.

Wie SLA- und Pünktlichkeitsquote pro Mandant sauber modelliert und vertragsfest gemessen werden, steht im SLA-Reporting. Wie Versandleistung, Durchlaufzeit und Retouren live im Cockpit zusammenlaufen, zeigen die Auswertungen.

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