Demo anfragen
max.dash / Wissen / Lager
ST.01 / LEITFADEN

Kommissionierleistung auswerten: Picks pro Stunde und Co.

Die Leistung im Lager entscheidet über deine Marge - und ist gleichzeitig die Kennzahl, die am häufigsten falsch gemessen wird. Welche Zahlen wirklich zählen, wie du sie pro Mitarbeiter fair rechnest und warum die naheliegende Methode systematisch lügt.

In einem Fulfillment-Betrieb ist Personal der größte variable Kostenblock. Wer wissen will, ob das Lager effizient läuft und ob die Konditionen mit einem Mandanten noch tragen, kommt an einer Frage nicht vorbei: Wie viel schafft ein Mitarbeiter pro Stunde? Die Antwort klingt trivial, ist es aber nicht. Genau bei dieser Kennzahl entstehen die folgenreichsten Messfehler des ganzen Betriebs - weil die naheliegendste Rechenart die falsche ist.

AUF EINEN BLICK
  • Kommissionierleistung = versendete Pakete geteilt durch tatsächlich gestempelte Arbeitsstunden.
  • Die Scan-Spanne (erster bis letzter Scan) versteckt Nebenzeiten und überschätzt das Tempo massiv.
  • Beispiel: 9h eingestempelt, 2h Scan-Fenster ergibt 50 statt 11 Pakete pro Stunde - bei identischer Arbeit.
  • Pro Mitarbeiter und pro Mandant messen, damit die Zahl fair und nachvollziehbar bleibt.

01 - Was Kommissionierleistung eigentlich ist

Kommissionierleistung ist die Zahl kommissionierter Positionen oder Pakete pro produktiver Arbeitsstunde (Picks pro Stunde). Sie ist die Produktivität der manuellen Arbeit im Lager: Wie schnell werden Aufträge aus den Regalen geholt (Picken) und versandfertig gemacht (Packen). Sie ist die Brücke zwischen deinem Versandvolumen und deinen Personalkosten - und damit die Stellschraube, an der entschieden wird, ob ein Mandant profitabel ist.

max.dash ist ein read-only Operations-Cockpit für JTL-Fulfillment-Dienstleister (3PL) im DACH-Raum. Wir lesen die JTL-WaWi (eazybusiness) rein lesend und liefern SLA-Reporting pro Mandant, Versandleistung pro Mitarbeiter, ein mandantengetrenntes Kundenportal und Abrechnungs-Mengen-Export - ohne Systemwechsel.

Wichtig ist die Trennung von Picken und Packen. Das sind zwei unterschiedliche Tätigkeiten mit völlig unterschiedlichen Taktzeiten: Picken bedeutet Wege laufen und Greifen, Packen bedeutet Verpacken, Etikettieren und Sendung erstellen. Wer beides in eine Zahl wirft, bekommt einen Mischwert, der weder das eine noch das andere steuerbar macht. Ein langsamer Picker in einem schlecht sortierten Lager und ein langsamer Packer mit komplizierten Verpackungsvorgaben brauchen völlig verschiedene Maßnahmen - eine zusammengeworfene Kennzahl verschleiert, welcher der beiden das Problem ist.

02 - Die drei Kennzahlen, die zählen

Im 3PL-Alltag reichen drei Größen, um die Lagerleistung zu steuern. Mehr verwässert nur.

  • Picks pro Stunde. Anzahl kommissionierter Positionen geteilt durch die dafür aufgewendete Zeit. Die Rohleistung der Kommissionierung - empfindlich gegen Lagerlayout, Wegeoptimierung und Artikelgröße. Als grobe Erfahrungswerte: 60 bis 100 Picks pro Stunde bei Einzelkommissionierung, 120 bis 200 bei Batch-Kommissionierung mehrerer Aufträge gleichzeitig - je nach Sortiment und Lagerlayout stark schwankend.
  • Pack-Zeit pro Auftrag. Wie lange braucht ein Mitarbeiter im Schnitt, um einen Auftrag versandfertig zu machen. Diese Zeit hängt stark vom Mandanten ab: Beilagen, Sonderverpackung, Geschenkservice oder mehrteilige Sendungen treiben sie nach oben.
  • Aufträge pro Stunde. Die Gesamtsicht über Pick und Pack zusammen, bezogen auf die Sendung statt auf die einzelne Position. Das ist die Zahl, die direkt mit der Abrechnung und der Kapazitätsplanung korrespondiert.

Eine vierte Variante - Pakete pro Stunde - ist nützlich, solange du sie nicht mit Aufträgen pro Stunde verwechselst. Ein Auftrag kann mehrere Pakete erzeugen, eine Mehrpaket-Sendung verzerrt die Personalrechnung, wenn du beide Zahlen vermischst. Halte Aufträge, Pakete und Positionen als drei getrennte Bezugsgrößen.

03 - Die große Falle: Scan-Spanne

Jetzt zum entscheidenden Punkt. Alle drei Kennzahlen haben einen gemeinsamen Nenner: die Zeit. Und genau bei der Zeit machen die meisten Auswertungen denselben Fehler. Sie nehmen die Spanne zwischen dem ersten und dem letzten Scan eines Mitarbeiters am Tag - die Scan-Spanne - und behandeln sie als gearbeitete Zeit.

Das ist verführerisch, weil es ohne Zeiterfassung auskommt: Der Scanner liefert ohnehin Zeitstempel, also rechnet man Menge geteilt durch die Differenz aus erstem und letztem Scan. Bequem - und systematisch falsch.

Ein Mitarbeiter ist neun Stunden eingestempelt, scannt seine Pakete aber in einem konzentrierten Zwei-Stunden-Fenster. Die Scan-Spanne zeigt dann fast 50 Pakete pro Stunde. Gegen die echte gestempelte Arbeitszeit gerechnet sind es elf. Beide Zahlen sind sauber gerechnet - aber nur eine ist ehrlich.

Der Grund: Die Scan-Spanne blendet jede Nicht-Pack-Zeit aus, die zwischen den Scans liegt. Warten auf Nachschub, Rüstzeit, Pausen, das Mithelfen an einer anderen Station, das Klären eines Sonderfalls - all das verschwindet aus dem Nenner. Die Spanne misst nur das Fenster, in dem überhaupt gescannt wurde, nicht die Schicht. Das Ergebnis ist eine durchgehend zu hohe, geschönte Leistung, die in Personalplanung und Kalkulation falsche Erwartungen weckt.

Noch tückischer: Der Fehler ist nicht zufällig, sondern verzerrt immer in dieselbe Richtung - nach oben. Wer auf Basis der Scan-Spanne plant, unterschätzt seinen Personalbedarf strukturell und wundert sich dann, warum das Lager bei der prognostizierten Mannschaft nicht mitkommt.

04 - Stempelbasiert rechnen - die ehrliche Zahl

Die belastbare Methode ist denkbar einfach, verlangt aber eine zweite Datenquelle: die Zeiterfassung. Die Formel lautet Menge geteilt durch tatsächlich gestempelte Arbeitszeit - über alle relevanten Tage summiert, nicht pro Tag einzeln gemittelt.

Leistung = Summe(Pakete) geteilt durch Summe(gestempelte Stunden) über den Auswertungszeitraum.

Warum die Summen und nicht der Tagesschnitt? Weil ein Mitarbeiter an einem halben Tag mit zwei Stunden Stempelzeit eine andere Gewichtung verdient als ein voller Acht-Stunden-Tag. Wer pro Tag eine Rate bildet und diese Tagesraten dann mittelt, gibt einem kurzen, zufällig schnellen Tag dasselbe Gewicht wie einem langen Normaltag. Die Summenrechnung gewichtet automatisch korrekt nach geleisteter Zeit.

  • Bezugszeitraum bewusst wählen - ein rollierender 30-Tage-Schnitt glättet Ausreißer, ohne träge zu werden
  • Nur Tage mit echten Stempelstunden in den Nenner nehmen; Tage ganz ohne Pack-Tätigkeit gehören nicht hinein
  • Den Tageswert getrennt vom Schnitt ausweisen - die heutige Menge ist eine Mengenangabe, keine belastbare Rate, solange die Schicht noch läuft und keine Stempelstunden vorliegen

Es gibt eine ehrliche Grenze dieser Methode. Wenn die Zeiterfassung nicht live ist - viele Stempelsysteme buchen die Anwesenheit mit Netto-Stunden erst nach dem Ausstempeln, real oft am Folgetag - dann existiert die clock-basierte Rate für den laufenden Tag schlicht noch nicht. Für heute hast du nur die gescannte Menge. Das ist kein Mangel der Methode, sondern eine Eigenschaft der Datenlage, und es ist ehrlicher, für heute eine Menge auszuweisen als eine erfundene Rate.

05 - Faire Vergleichbarkeit zwischen Mitarbeitern

Sobald Leistung pro Person sichtbar wird, wird sie auch verglichen - und hier entscheidet sich, ob die Zahl Vertrauen schafft oder zerstört. Ein Vergleich ist nur fair, wenn die verglichenen Mitarbeiter unter vergleichbaren Bedingungen gearbeitet haben.

  • Gleiche Tätigkeit vergleichen. Ein Packer mit aufwändigen Mandanten-Beilagen ist nicht langsamer als ein Packer mit Standardsendungen - er macht etwas anderes. Picks gegen Picks, Packs gegen Packs.
  • Mandanteneffekte herausrechnen. Wer überwiegend einen komplizierten Mandanten bearbeitet, hat strukturell längere Taktzeiten. Die Leistung gewinnt erst dann Aussagekraft, wenn das Sortiment vergleichbar ist oder pro Mandant getrennt betrachtet wird.
  • Genug Datenbasis fordern. Eine Rate aus zwei Stunden Stempelzeit ist statistisches Rauschen. Erst über genügend Tage und Mengen wird ein belastbarer Schnitt daraus.
  • Mengen statt Rate, wo das Mapping fehlt. Lässt sich ein Scanner-Benutzer keinem Zeiterfassungs-Mitarbeiter zuordnen, hast du für diese Person nur Mengen, keine Rate. Das offen so auszuweisen ist ehrlicher als eine Scan-Spannen-Rate aus der Not heraus.

Der Vergleich gegen den eigenen Durchschnittstag und gegen den Team-Schnitt desselben Tages ist meist aussagekräftiger als ein nacktes Ranking. Er beantwortet die Frage, die im Lager wirklich zählt: Läuft es heute wie sonst, oder gibt es ein Problem.

06 - Wie du es aus deinen Daten ziehst

Die Rohdaten liegen bereits vor. In JTL-WaWi steckt für jeden Pickvorgang und jede Sendung ein Zeitstempel mit dem zugehörigen Benutzer - das liefert die Mengen und das Scan-Fenster. Was fehlt, ist die zweite Hälfte der ehrlichen Formel: die tatsächlich gearbeitete Zeit aus der Zeiterfassung und ein sauberes Mapping zwischen dem Benutzer am Scanner und dem Mitarbeiter in der Stempeluhr.

Genau diese Verknüpfung ist die eigentliche Arbeit. Solange Scan-Mengen und Stempelstunden in getrennten Systemen liegen, bleibt nur die verführerische Scan-Spanne. Erst wenn beide Quellen über ein gepflegtes Benutzer-Mapping zusammengeführt werden, entsteht die belastbare Leistung pro Stunde - und mit ihr die Grundlage für Personalplanung, Mandantenkalkulation und faire Mitarbeitergespräche.

Nativ in JTL-WaWi ist die Pickleistung pro Mitarbeiter dabei nicht sauber auswertbar - in der Community dokumentiert als offene Lücke (Issue WAWI-15319/WAWI-24011). Wer nur mit Bordmitteln arbeitet, bleibt deshalb faktisch bei der Scan-Spanne hängen.

Genau dort setzt max.dash an: Wir lesen deine JTL-WaWi read-only, spiegeln Scan-Mengen und Sendungen in die Cloud, führen sie mit der Zeiterfassung zusammen und rechnen die Leistung stempelbasiert - nicht über die Scan-Spanne. Wo kein Mapping existiert, zeigen wir bewusst nur Mengen statt einer geschönten Rate. Wie diese Kennzahlen mit Versandleistung, Durchlaufzeit und SLA in einem Cockpit zusammenlaufen, zeigen die Auswertungen. Wie die Versandleistung pro Mitarbeiter über den reinen Pick-Anteil hinaus gemessen wird, steht im Leitfaden zur Mitarbeiterleistung.

ST.02 / DEMO

Sieh deine echte Lagerleistung - stempelbasiert, nicht geschönt.

30 Minuten, unverbindlich. Wir zeigen dir Picks und Packs pro Stunde an deinen eigenen Daten - so ehrlich, wie du sie bisher nicht hattest.

BEREIT Demo anfragen