Wie lange ein Auftrag im Lager unterwegs ist, entscheidet sich nicht am Tag der Bestellung, sondern in den Stunden danach. Die Durchlaufzeit ist die Kennzahl, die diese Zeitspanne sichtbar macht - nicht nur als Ja-oder-Nein wie die SLA-Quote, sondern als volle Verteilung mit Median, Ausreißern und langem Schwanz.
01 - Was Durchlaufzeit ist
Die Durchlaufzeit ist die Zeitspanne zwischen dem Eingang einer Bestellung und ihrem Versand aus dem Lager. Sie beschreibt, wie schnell ein Auftrag durch Kommissionierung, Verpackung und Versandvorbereitung läuft, und ist damit die zentrale Prozesskennzahl für die operative Steuerung eines Fulfillment-Betriebs.
max.dash ist ein read-only Operations-Cockpit für JTL-Fulfillment-Dienstleister (3PL) im DACH-Raum. Wir lesen die JTL-WaWi (eazybusiness) rein lesend und liefern SLA-Reporting pro Mandant, Versandleistung pro Mitarbeiter, ein mandantengetrenntes Kundenportal und Abrechnungs-Mengen-Export - ohne Systemwechsel.
- Durchlaufzeit gleich Versandzeitpunkt minus Eingangszeitpunkt, ausgewertet als Verteilung, nicht als Einzelwert.
- Drei Varianten: Auftragsdurchlaufzeit, Wareneingangs-Durchlaufzeit, Retouren-Durchlaufzeit - jede mit eigenem Engpass.
- Rohe und bereinigte Durchlaufzeit sauber trennen: Wochenenden, Feiertage und Rückhaltezeiten gehören nicht in den Vertragsnachweis.
- Pro Mandant messen, sonst verdeckt der Mischwert, wer tatsächlich Engpässe hat.
02 - Formel und Berechnung
Was es ist. Die Grundformel ist denkbar einfach: Durchlaufzeit gleich Versanddatum minus Eingangsdatum. Die Schwierigkeit liegt nicht in der Rechnung, sondern in der sauberen Definition der beiden Zeitpunkte - und darin, was zwischen ihnen mitgezählt werden darf und was nicht.
Wie man es berechnet. Der Eingangszeitpunkt ist der Moment, in dem die Bestellung im System als wertend erfasst wird - nicht erst, wenn Zahlung oder Betrugsprüfung abgeschlossen sind. Der Versandzeitpunkt ist das tatsächliche Versanddatum aus dem Versanddatensatz, nicht das Datum der Lieferschein-Erstellung. Aus der Differenz entsteht pro Auftrag ein Einzelwert, der über einen Zeitraum als Verteilung ausgewertet wird.
- Median statt Mittelwert als Leitgröße, weil einzelne lang liegende Sonderfälle den Durchschnitt sonst nach oben ziehen
- Perzentile (zum Beispiel 90. Perzentil) zeigen den langen Schwanz - die Aufträge, die deutlich länger brauchen als der Regelfall
- Rohe Durchlaufzeit (jede Stunde zählt) und bereinigte Durchlaufzeit (ohne Wochenenden, Feiertage, Rückhaltezeiten) getrennt führen
Typische Fallstricke. Die rohe Differenz aus Bestell- und Versanddatum ignoriert Wochenenden, Feiertage und Rückhaltezeiten wie Zahlungsprüfung oder Backorder - das sind dieselben Definitionsfragen wie bei der SLA-Quote. Eine Bestellung, die am Freitagabend eingeht und am Montag versendet wird, zeigt in der rohen Zahl fast 60 Stunden Durchlaufzeit, obwohl der Betrieb keine Minute verloren hat. Wer beide Varianten nicht sauber trennt, vergleicht am Ende Äpfel mit Birnen: die rohe Zahl für den internen Schnellblick, die bereinigte für den Vertragsnachweis.
03 - Auftrags-, Wareneingangs- und Retouren-Durchlaufzeit
Was es ist. "Durchlaufzeit" ist kein einzelner Prozess, sondern ein Muster, das an drei Stellen im Lager auftaucht - mit jeweils eigenem Start- und Endpunkt und eigenem Engpass.
Auftragsdurchlaufzeit. Die bekannteste Form: Zeitspanne von Bestelleingang bis Versand aus dem Lager. Sie ist die Kennzahl, die im Kundengespräch zählt, weil sie unmittelbar mit der zugesagten Versandfrist zusammenhängt.
Wareneingangs-Durchlaufzeit. Zeitspanne von der Anlieferung einer Warensendung bis zur Verfügbarkeit im Bestand - also bis die Ware eingelagert, gebucht und für den Verkauf sichtbar ist. Ein langsamer Wareneingang wirkt sich zeitversetzt auf die Auftragsdurchlaufzeit aus: Was nicht verfügbar ist, kann nicht kommissioniert werden.
Retouren-Durchlaufzeit. Zeitspanne von der Rückkehr einer Sendung im Lager bis zum Abschluss der Bearbeitung - Prüfung, Einlagerung oder Aussonderung, und die entsprechende Gutschrift oder Buchung. Eine lange Retouren-Durchlaufzeit bindet Bestand und Kapital, ohne dass es in der normalen Versandstatistik auffällt.
Typische Fallstricke. Wer alle drei Varianten unter dem Sammelbegriff "Durchlaufzeit" vermischt, kann aus der Zahl keine Handlung mehr ableiten. Eine gestiegene Gesamt-Durchlaufzeit kann am Versand liegen, am Wareneingang oder an liegen gebliebenen Retouren - drei völlig unterschiedliche Ursachen mit unterschiedlichen Gegenmaßnahmen. Die drei Werte gehören getrennt geführt und getrennt kommentiert.
04 - Wo Engpässe sichtbar werden
Was es zeigt. Während die SLA-Quote nur "drin oder draußen" kennt, zeigt die Durchlaufzeit als Verteilung, wo im Prozess sich Zeit ansammelt - und das oft, bevor eine Frist überhaupt gerissen wird.
- Ein wachsender Median deutet auf strukturelle Kapazitätsengpässe hin - zu wenig Personal, zu wenig Pickplätze, zu langsame Nachschubprozesse
- Ein langer Schwanz bei stabilem Median zeigt Einzelfälle: hängende Aufträge wegen fehlender Ware, technischer Fehler oder manueller Sonderprüfung
- Ein Sprung an bestimmten Wochentagen oder nach Feiertagen zeigt Nachlaufeffekte aus liegen gebliebenen Mengen
- Unterschiede zwischen Auftragstypen (Einzelposition gegen Mehrpositionsauftrag) zeigen, wo Kommissionierung strukturell länger dauert
Warum das früher wirkt als die SLA-Quote. Die SLA-Quote schlägt erst Alarm, wenn eine Frist tatsächlich gerissen wird - zu diesem Zeitpunkt ist der Schaden beim Kunden bereits passiert. Der Median und die oberen Perzentile der Durchlaufzeit bewegen sich in der Regel früher: Ein Median, der sich über mehrere Tage in Folge nach oben verschiebt, kündigt einen SLA-Bruch an, bevor die Quote reagiert. Wer beide Kennzahlen nebeneinander live im Cockpit sieht, kann nachsteuern, bevor der Vertrag betroffen ist. Live und pro Mandant siehst du diese Verteilung in den Auswertungen.
05 - Warum pro Mandant messen
Was es ist. Ein einzelner Durchlaufzeit-Wert über das gesamte Lager ist für die Steuerung fast wertlos, weil er die Unterschiede zwischen den Mandanten glättet.
Wie man es sauber trennt. Jeder Mandant hat eigene Cutoff-Zeiten, eigene Sortimentsstrukturen und eigene vertragliche Fristen. Ein Mandant mit einfachen Einzelpositionsaufträgen und großzügiger Frist zeigt naturgemäß eine kürzere Durchlaufzeit als ein Mandant mit komplexen Sets und engem Cutoff. Werden beide in einem Mischwert zusammengefasst, verdeckt der einfache Mandant die Probleme des komplexen - und niemand sieht, wo tatsächlich nachgesteuert werden muss.
Typische Fallstricke. Ein Mischwert über alle Mandanten kaschiert dieselbe Quersubventionierung, die auch bei Kosten- und Leistungskennzahlen auftritt: Der große, einfache Kunde trägt die Statistik, während der kleine, aufwändige Kunde im Hintergrund Probleme anhäuft. Erst die getrennte Messung pro Mandant macht sichtbar, welcher Kunde tatsächlich Aufmerksamkeit braucht - und liefert die Grundlage für ein ehrliches mandantengetrenntes Kundenportal.
06 - Zusammenhang mit SLA und Cutoff
Was es ist. Durchlaufzeit und SLA-Quote messen denselben Prozess aus zwei Blickwinkeln. Die SLA-Quote prüft pro Auftrag, ob die zugesagte Frist eingehalten wurde. Die Durchlaufzeit zeigt, wie viel Puffer oder wie wenig Puffer im Regelfall tatsächlich vorhanden ist.
Wie beide zusammenspielen. Der Cutoff eines Mandanten definiert den Startpunkt der Frist: Bestellungen nach Cutoff zählen erst auf den nächsten Werktag. Genau dieser Cutoff bestimmt auch, wie die bereinigte Durchlaufzeit gerechnet wird - beide Kennzahlen brauchen dieselben Regeln pro Mandant, sonst widersprechen sie sich. Eine SLA-Quote von 98 Prozent bei gleichzeitig steigendem Median der Durchlaufzeit ist ein Frühwarnsignal: Die Frist wird noch eingehalten, aber der Puffer schmilzt.
Wie die SLA- und Pünktlichkeitsquote pro Mandant sauber modelliert und vertragsfest gemessen wird, einschließlich Cutoff-Regeln und Rückhaltezeiten, steht im SLA-Reporting. Die weiteren zentralen Fulfillment-Kennzahlen - Versandvolumen, Versandleistung pro Mitarbeiter, Retourenquote und Lagerreichweite - stehen im Leitfaden zu den Fulfillment-KPIs. Begriffe rund um Durchlaufzeit, Cutoff und SLA sind im Glossar kurz erklärt.
Von der Definition zur laufenden Messung
Eingangszeitpunkt, Versandzeitpunkt, Cutoff-Regeln und Rückhaltezeiten liegen bereits in deiner JTL-WaWi - nur nicht in der Form, die eine belastbare Durchlaufzeit pro Mandant ergibt. max.dash liest dein System read-only mit und rechnet die rohe wie die bereinigte Durchlaufzeit automatisch, als Median und Verteilung, getrennt nach Mandant und Auftragstyp - ohne dass du an deinem laufenden Betrieb etwas änderst.
Wie diese Verteilung live im Cockpit aussieht und mit Versandleistung und Retourenquote zusammenläuft, zeigen die Auswertungen.