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ST.01 / GRUNDLAGEN

Was gehört in ein Fulfillment-SLA - die Checkliste

Die meisten Fulfillment-Verträge enthalten eine SLA-Klausel in zwei Sätzen: eine Frist und eine Prozentzahl. Das reicht nicht. Diese Checkliste listet alle Bausteine, die vereinbart sein müssen, damit eine SLA im Alltag messbar und im Streitfall durchsetzbar ist.

AUF EINEN BLICK
  • Eine vollständige SLA hat zehn Bausteine - von Uhr-Start bis Peak-Regelung.
  • Fehlt einer davon, ist die SLA nicht eindeutig auslegbar und im Streitfall wertlos.
  • Ausschlüsse, Zielquote und Reporting-Rhythmus werden am häufigsten vergessen.
  • Ohne vereinbartes Reporting lässt sich eine SLA-Verletzung nicht belegen - und keine Eskalations- oder Pönale-Klausel anwenden.

Was ein Fulfillment-SLA leisten muss

Ein Fulfillment-SLA legt fest, welche Leistung der Dienstleister in welcher Frist erbringt und wie die Einhaltung gemessen wird.

Die meisten SLA-Konflikte zwischen Mandant und Dienstleister entstehen nicht, weil jemand die Frist absichtlich reißt, sondern weil die Vertragsklausel unvollständig ist. "95 Prozent der Bestellungen gehen innerhalb von 24 Stunden raus" klingt nach einer klaren Zusage. Ohne festgelegten Startzeitpunkt, Cutoff und Ausschlussregeln ist der Satz aber nicht messbar - jede Seite kann ihn anders auslegen, je nachdem, wessen Auslegung gerade günstiger ist.

Eine SLA, die im Alltag funktioniert und im Streitfall Bestand hat, braucht deshalb mehr als Frist und Prozentzahl. Sie braucht eine vollständige Definition aller Messgrößen - schriftlich, für beide Seiten gleich lesbar, und mit einer vereinbarten Methode, wie die Einhaltung nachgewiesen wird. Genau diese Bausteine listet die folgende Checkliste.

Die Checkliste im Überblick

Zehn Bausteine, die in jedem Fulfillment-SLA schriftlich fixiert sein sollten, bevor die erste Bestellung gezählt wird:

  • Uhr-Start - der exakte Zeitpunkt, ab dem die Frist zu laufen beginnt.
  • Uhr-Stopp - der exakte Zeitpunkt, der als Erfüllung der SLA gilt.
  • Frist - die Zeitspanne zwischen Start und Stopp, meist in Stunden oder Werktagen.
  • Cutoff-Zeit - die tägliche Grenze, ab der eine Bestellung dem nächsten Versandtag zugerechnet wird.
  • Werktage, Feiertage, Bundesland - der Kalender, gegen den die Frist gerechnet wird.
  • Ausschlüsse - Vorgänge, die der Dienstleister nicht zu verantworten hat und die aus der Quote fallen.
  • Zielquote - der Prozentwert, der als "eingehalten" gilt.
  • Reporting-Rhythmus - wie oft und in welcher Form die Quote beiden Seiten vorliegt.
  • Eskalation und Pönale - was passiert, wenn die Zielquote wiederholt verfehlt wird.
  • Peak-Regelung - abweichende Fristen oder Quoten für Black Week, Weihnachten und andere Lastspitzen.

Die folgenden Abschnitte gehen jeden Baustein einzeln durch. Eine ausführliche Herleitung von Uhr-Start, Uhr-Stopp und Quote steht im Grundlagenartikel Was ist ein Fulfillment-SLA.

Uhr-Start und Uhr-Stopp

Start und Stopp sind die häufigste Fehlerquelle, weil beide Seiten intuitiv unterschiedliche Zeitpunkte meinen. Der Mandant denkt oft an den Bestelleingang im Shop, der Dienstleister rechnet ab Freigabe zur Kommissionierung. Beide Positionen sind vertretbar - problematisch wird es erst, wenn keine davon schriftlich fixiert ist.

  • Uhr-Start - in der Praxis meist der Freigabezeitpunkt (Zahlung geprüft, Bestand verfügbar, kein Hold aktiv), kombiniert mit dem Cutoff. Bestelleingang als Startpunkt ist kundenfreundlich, aber unfair gegenüber dem Dienstleister bei verzögerter Zahlung.
  • Uhr-Stopp - der belastbarste Wert ist der tatsächliche Versandzeitpunkt, nicht der Zeitpunkt, an dem ein Label gedruckt oder ein Lieferschein erzeugt wurde. Ein gedrucktes Label, das drei Tage im Lager liegt, erfüllt die SLA sonst technisch und verfehlt sie praktisch.

Beide Punkte gehören mit exakter Formulierung in den Vertrag - nicht als "ab Bestellung" oder "bis Versand", sondern mit Bezug auf ein konkretes Systemereignis, das eindeutig protokolliert wird.

Frist, Cutoff und Kalender

Die Frist allein ("24 Stunden", "same day") ist ohne Kalenderbezug nicht auswertbar. Drei Angaben müssen dazu vereinbart sein:

  1. Cutoff-Zeit - die tägliche Grenze, ab der eine Freigabe dem nächsten Versandtag zugerechnet wird. Üblich sind 12:00 oder 14:00 Uhr, abhängig von der Carrier-Abholzeit.
  2. Werktage - welche Wochentage überhaupt als Versandtage zählen. Manche Lager versenden samstags, die meisten nicht.
  3. Feiertage nach Bundesland - der Lagerstandort bestimmt den Feiertagskalender. Ein Lager in Bayern hat andere Feiertage als eines in Hamburg, und genau am regionalen Feiertag entsteht sonst eine SLA-Verletzung, die keine ist.

Aus diesen drei Angaben ergibt sich der Soll-Versandtag als berechnete Größe. Mehr zur Cutoff-Logik im Detail steht im Artikel Cutoff-Zeit im Versand.

Ausschlüsse sauber definieren

Nicht jede Bestellung, die nicht fristgerecht versendet wird, ist ein SLA-Bruch. Eine faire SLA schließt Vorgänge aus, die außerhalb der Kontrolle des Dienstleisters liegen - und listet diese Ausschlüsse explizit im Vertrag:

  • Zurückgehaltene Bestellungen - Rückhaltegründe wie Betrugsprüfung, Bonitätsprüfung oder Kundenwunsch. Solange der Hold aktiv ist, läuft keine Frist.
  • Backorder und Fehlbestand - fehlt der Artikel, kann nicht versendet werden. Gehört in eine eigene Kennzahl, nicht in die Versand-SLA.
  • Stornierte Bestellungen - was nie versendet werden sollte, kann keine Versandfrist verfehlen.
  • Offene Vorkasse - solange die Zahlung aussteht, zählt die Bestellung nicht, sofern der Uhr-Start auf Freigabe definiert ist.

Wichtig ist Transparenz über das Volumen: Wie viele Bestellungen wurden im Berichtszeitraum ausgeschlossen und aus welchem Grund. Eine hohe Quote, bei der ein Drittel der Bestellungen unsichtbar aus der Wertung fiel, ist kein Beweis guter Leistung, sondern ein Hinweis auf eine unvollständige Vereinbarung.

Zielquote und Reporting-Rhythmus

Die Zielquote ist der Prozentsatz, ab dem die SLA als eingehalten gilt - üblich sind 95 bis 99 Prozent, erfahrungsgemäß gemessen pro Mandant und nicht als betriebsweiter Durchschnitt. Werte über 99 Prozent über längere Zeiträume sind eher ein Hinweis auf eine zu großzügige Frist oder zu viele Ausschlüsse als auf herausragende Leistung.

Der Reporting-Rhythmus definiert, wie oft und in welcher Form beide Seiten die Quote sehen - täglich im Dashboard, wöchentlich als Zusammenfassung oder nur einmal im Monat als Rückblick. Ein monatlicher Rückblick allein reicht selten aus: Ein Ausreißer, der erst vier Wochen später auffällt, lässt sich nicht mehr korrigieren, nur noch dokumentieren. Ein täglich einsehbarer Verlauf macht aus der SLA ein Steuerungsinstrument statt einer nachträglichen Rechtfertigung.

Eskalation, Pönale und Peak-Regelung

Zwei Bausteine werden in Verträgen am häufigsten vergessen, weil sie im Normalbetrieb nicht gebraucht werden - bis sie plötzlich gebraucht werden:

  • Eskalationsstufen - was passiert bei einer einzelnen Verletzung, was bei wiederholter Unterschreitung der Zielquote über mehrere Berichtszeiträume. Ohne Stufenplan bleibt jede Reaktion eine Ad-hoc-Entscheidung.
  • Pönale-Regelung - ob und in welcher Höhe eine wiederholte oder schwere SLA-Verletzung finanzielle Konsequenzen hat. Diese Klausel ist nur anwendbar, wenn die Verletzung anhand der vereinbarten Messmethode eindeutig belegt werden kann.
  • Peak-Regelung - abweichende Fristen oder Zielquoten für Lastspitzen wie Black Week oder das Weihnachtsgeschäft. Ohne diese Klausel gilt automatisch die reguläre SLA auch an Tagen mit dem Vielfachen des normalen Bestellvolumens, was für keine Seite realistisch ist.

Alle drei Punkte sollten vor Saisonstart und nicht während einer laufenden Verletzung verhandelt werden. Eine Peak-Regelung, die erst in der Black Week diskutiert wird, kommt für die betroffenen Bestellungen zu spät.

Warum eine SLA ohne Reporting nicht durchsetzbar ist

Die neun inhaltlichen Bausteine oben nützen wenig, wenn der zehnte fehlt: eine vereinbarte, nachvollziehbare Art, die Quote zu berechnen und darzustellen. Eine SLA ohne Reporting ist keine SLA, sondern eine Absichtserklärung. Sobald ein Mandant eine Verletzung behauptet und der Dienstleister sie anders sieht, entscheidet nicht der Vertragstext, sondern die Frage, wer welche Zahlen vorlegen kann.

Das betrifft vor allem die Eskalations- und Pönale-Klausel: Sie lässt sich nur anwenden, wenn beide Seiten dieselbe, für beide nachvollziehbare Datenquelle akzeptieren. Ein Export, den nur der Dienstleister sieht, ist im Streitfall wertlos - der Mandant hat keine Möglichkeit, ihn zu prüfen. Ein Reporting, das beide Seiten live einsehen können, macht die SLA dagegen von Anfang an konfliktfrei, weil es keine zwei Versionen der Wahrheit gibt.

Genau das leistet das SLA-Reporting pro Mandant von max.dash: Uhr-Start, Uhr-Stopp, Cutoff, Werktagskalender, Feiertage pro Standort und Ausschlussgründe werden pro Mandant konfiguriert und lesend aus der JTL-WaWi berechnet. Die Quote ist für Dienstleister und Mandant gleichermaßen einsehbar - über das mandantengetrennte Kundenportal sieht jeder Mandant ausschließlich seine eigenen Zahlen, live und ohne manuellen Export. Damit wird aus der Checkliste ein Vertrag, der sich im Alltag von selbst überwacht statt am Monatsende diskutiert zu werden.

Begriffe wie Cutoff, Soll-Versandtag oder Mandant sind im Glossar kurz erklärt.

Was gehört zwingend in ein Fulfillment-SLA?
Ein vollständiges Fulfillment-SLA definiert mindestens Uhr-Start, Uhr-Stopp, Frist, Cutoff-Zeit, Werktags- und Feiertagskalender, Ausschlüsse, Zielquote, Reporting-Rhythmus, Eskalationsstufen und eine Peak-Regelung. Fehlt einer dieser Bausteine, ist die SLA im Streitfall nicht eindeutig auslegbar.
Warum ist eine SLA ohne Reporting nicht durchsetzbar?
Eine SLA ist nur eine Zahl, solange niemand nachweisen kann, wie sie zustande kommt. Ohne vereinbarten Reporting-Rhythmus und eine nachvollziehbare Datenquelle lässt sich eine Verletzung nicht belegen und eine Eskalations- oder Pönale-Klausel nicht anwenden. Das Reporting ist damit Teil der SLA, nicht optional.
Braucht jeder Mandant eine eigene SLA-Checkliste?
Ja. Cutoff, Werktage, Ausschlüsse und Zielquote unterscheiden sich zwischen Mandanten meist deutlich. Eine gemeinsame SLA für alle Mandanten mittelt diese Unterschiede weg und ist für keinen der Beteiligten mehr korrekt. Jeder Mandant sollte seine eigenen SLA-Bausteine schriftlich fixiert bekommen.
ST.02 / DEMO

SLA-Bausteine, die sich selbst überwachen

Wir zeigen dir an deinen eigenen JTL-Daten, wie Uhr-Start, Cutoff, Ausschlüsse und Zielquote pro Mandant konfiguriert werden - und wie daraus ein Reporting entsteht, das beide Seiten nachrechnen können.