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ST.01 / GRUNDLAGEN

SLA in der Logistik richtig messen

Eine SLA-Quote ist nur so glaubwürdig wie ihre Definition. Wann startet die Uhr, wann stoppt sie, was zählt nicht mit. Dieser Leitfaden zeigt, wie man eine Fulfillment-SLA sauber aufsetzt, statt sich eine Zahl schönzurechnen.

AUF EINEN BLICK
  • Eine SLA braucht drei fix definierte Bauteile: Startpunkt, Stoppunkt und Frist.
  • Sauberer Uhr-Start ist meist der Freigabezeitpunkt plus Cutoff, nicht der Bestelleingang.
  • Werktage und Feiertage gehören aus der Frist gerechnet, Rückhalte und Storno aus der Quote.
  • Eine ehrlich gemessene Versand-SLA liegt bei 95 bis 99 Prozent - pro Mandant getrennt.

Was eine SLA im Fulfillment wirklich ist

Eine Fulfillment-SLA ist die vertraglich zugesagte Frist, bis wann eine eingegangene Bestellung das Lager verlassen muss - typisch 24h ab Cutoff an Werktagen.

Einen breiteren Überblick über SLA-Vereinbarungen im 3PL-Kontext liefert der Grundlagenartikel SLA im Fulfillment.

Eine Service Level Agreement (SLA) im Fulfillment ist das Versprechen, eine Bestellung innerhalb einer definierten Frist versandfertig zu machen. Die typische Formulierung lautet: "Bestellungen, die bis 14:00 Uhr eingehen, gehen am selben Werktag raus." Klingt einfach. Die Komplexität steckt nicht im Versprechen, sondern in der Messung. Drei Bestellungen mit identischem Wortlaut können je nach Definition eine SLA-Quote von 91 Prozent oder 99 Prozent ergeben - bei exakt denselben Vorgängen.

Eine SLA hat immer drei Bauteile: einen Startpunkt (ab wann die Uhr läuft), einen Stoppunkt (was als erfüllt gilt) und eine Frist (in welchem Zeitfenster der Schritt vom Start zum Stopp passieren muss). Wer diese drei Punkte nicht schriftlich fixiert hat, misst keine SLA, sondern ein Bauchgefühl. Und genau hier reden Dienstleister und Mandant regelmäßig aneinander vorbei: Der Auftraggeber meint "ab Klick im Shop", der Dienstleister rechnet "ab Zahlungseingang". Die Differenz sind Stunden, manchmal Tage.

Uhr-Start: Bestelleingang, Zahlung oder Cutoff

Der häufigste Streitpunkt ist der Startzeitpunkt. Es gibt drei verbreitete Definitionen, und sie liefern unterschiedliche Quoten:

  • Bestelleingang - die Uhr startet, sobald die Bestellung im System landet. Kundenfreundlich, aber unfair gegenüber dem Dienstleister, wenn die Zahlung erst Tage später eintrifft.
  • Zahlungseingang - die Uhr startet erst, wenn die Bestellung bezahlt und freigegeben ist. Bei Vorkasse und PayPal kann das von Sekunden bis zu mehreren Tagen dauern.
  • Freigabe zur Kommissionierung - die Uhr startet, sobald die Bestellung pickbar im Lager ankommt, also nach Zahlungsprüfung, Bestandsprüfung und Rückhalte-Check.

In der Praxis ist die saubere Variante fast immer der Freigabezeitpunkt, kombiniert mit dem vereinbarten Cutoff. Eine Bestellung, die um 09:00 Uhr bezahlt und freigegeben ist, muss am selben Tag raus. Eine, die um 16:30 Uhr nach dem 14:00-Cutoff freigegeben wird, hat als Soll-Versandtag den nächsten Werktag. Wichtig ist, dass man den gewählten Startpunkt für alle Bestellungen identisch anwendet - sonst vergleicht man Äpfel mit Birnen. Wie die Cutoff-Zeit als Stellschraube genau wirkt, steht im Detail unter Cutoff-Zeit.

Uhr-Stopp: Label, Übergabe oder Versand

Ebenso uneindeutig ist der Endpunkt. Was genau erfüllt die SLA?

  • Label gedruckt - das Versandetikett wurde erzeugt. Früh, aber kein Beweis, dass das Paket das Lager verlassen hat. Ein gedrucktes Label, das drei Tage im Lager liegt, hat die SLA technisch erfüllt und praktisch verfehlt.
  • Übergabe an Carrier - der Scan des Versanddienstleisters bei Abholung. Der ehrlichste Wert, aber im eigenen System oft nicht sauber abgebildet, weil der Carrier-Scan asynchron zurückkommt.
  • Versandstatus gesetzt - das WaWi markiert die Bestellung als versendet. Das ist der praktikable Kompromiss, sofern der Status diszipliniert und tagesaktuell gesetzt wird.

Die belastbarste Definition ist der tatsächliche Versandzeitpunkt - der Moment, in dem das Paket als versendet gebucht wird, nicht der Zeitpunkt, an dem irgendwo ein Lieferschein entstanden ist. Diese beiden Werte liegen oft eine Schicht auseinander. Wer auf den Lieferschein misst, schönt die Quote, weil das Dokument früher entsteht als der reale Versand. Wie sich der reale Versandzeitpunkt lückenlos belegen lässt, zeigt der Artikel 24h-Versand nachweisen.

Faustregel: Miss gegen das Datum, das den realen Warenausgang abbildet, nicht gegen das Datum, das am frühesten im System auftaucht.

Werktage, Feiertage und der Cutoff

Eine SLA rechnet fast nie in Kalendertagen. Eine Bestellung, die Freitag um 17:00 Uhr nach Cutoff freigegeben wird, hat als Soll-Versandtag den Montag - nicht den Samstag. Drei Stellschrauben müssen explizit definiert sein:

  1. Cutoff-Zeit - die tägliche Grenze, ab der eine Bestellung dem nächsten Versandtag zugerechnet wird. Oft 12:00 oder 14:00 Uhr. Sie kann je nach Carrier und Mandant variieren.
  2. Werktagskalender - welche Tage als Versandtage zählen. Samstag und Sonntag sind meist raus, manche Lager versenden samstags.
  3. Feiertage - regionale Feiertage am Lagerstandort. Ein Lager in Bayern hat andere Feiertage als eines in Hamburg, und genau am Feiertag entsteht sonst eine künstliche SLA-Verletzung.

Der Soll-Versandtag ist also eine berechnete Größe: Freigabezeitpunkt plus Cutoff-Logik plus Werktags- und Feiertagskalender. Erst gegen diesen Soll-Tag wird der tatsächliche Versandtag verglichen. Pünktlich heißt: realer Versand am oder vor dem Soll-Versandtag. Wie sich daraus konkret eine Pünktlichkeitsquote berechnet, zeigt der verlinkte Artikel im Detail.

Was nicht in die Quote gehört

Eine faire SLA-Messung schließt Vorgänge aus, die der Dienstleister nicht zu verantworten hat. Sonst bestraft die Quote das Lager für Dinge, die außerhalb seiner Kontrolle liegen. Typische Ausschlüsse:

  • Zurückgehaltene Bestellungen - vom Mandanten oder System gesetzte Rückhaltegründe (Betrugsprüfung, Bonität, Kundenwunsch). Solange der Hold aktiv ist, läuft die Uhr nicht.
  • Backorder und Fehlbestand - fehlt der Artikel im Lager, kann das Fulfillment nicht versenden. Diese Bestellungen gehören in eine eigene Kategorie, nicht in die Versand-SLA.
  • Stornierte Bestellungen - was nie versendet werden sollte, kann die Versandquote nicht verfehlen.
  • Vorkasse offen - solange die Zahlung aussteht und der Startpunkt auf Freigabe definiert ist, zählt die Bestellung gar nicht erst.

Diese Ausschlüsse sind kein Trick zur Schönfärbung, sondern eine ehrliche Trennung von Verantwortung. Wichtig ist Transparenz: Der Mandant muss sehen können, wie viele Bestellungen ausgeschlossen wurden und warum. Eine SLA-Quote von 99 Prozent, bei der 30 Prozent der Bestellungen still aus der Wertung genommen wurden, ist wertlos. Die saubere Lösung zeigt beide Zahlen - die Quote und das ausgeschlossene Volumen mit Begründung.

Pro Mandant unterschiedliche SLAs

Ein 3PL-Dienstleister bedient selten nur einen Kunden mit einer Regel. Mandant A hat einen 14:00-Cutoff und versendet samstags, Mandant B hat 12:00 und nur Werktage, Mandant C hat eine zweitägige Frist für Sperrgut. Eine SLA-Messung, die alle Bestellungen in einen Topf wirft, mittelt diese Unterschiede weg und ist für keinen Mandanten korrekt.

Korrekt ist eine mandantengetrennte Messung: jede Bestellung wird gegen die SLA-Regeln ihres eigenen Mandanten geprüft, und die Quote wird pro Mandant ausgewiesen. Erst die Aggregation darüber ergibt eine Gesamtsicht für den Dienstleister. Genauso muss das Reporting mandantengetrennt sein - Mandant A darf die Zahlen von Mandant B nicht sehen. Das ist nicht nur fair, sondern oft vertraglich und datenschutzrechtlich zwingend.

Was eine gute Quote ist

Eine realistische und gut geführte Versand-SLA liegt im Bereich 95 bis 99 Prozent. Hundert Prozent über lange Zeiträume sind verdächtig: Entweder ist die Frist so großzügig gesetzt, dass sie nichts aussagt, oder es werden zu viele Vorgänge aus der Wertung genommen. Unter 95 Prozent deutet auf strukturelle Probleme hin - zu knappe Kapazität, schlechte Cutoff-Disziplin oder Bestandslücken.

Wichtiger als der absolute Wert ist die Stabilität. Eine Quote, die zwischen 91 und 99 Prozent schwankt, ist schwerer zu führen als eine konstante 96. Deshalb sollte man die SLA nicht nur als Monatszahl betrachten, sondern als Tagesverlauf - so erkennt man Ausreißer am Tag, an dem sie passieren, statt am Monatsende. Ein guter SLA-Report zeigt die Quote gegen das Ziel, den Trend über die Zeit und die einzelnen Verletzungen mit Bestellnummer, damit jeder Ausreißer nachvollziehbar bleibt. Wer die Versand-SLA um Vollständigkeit und Menge ergänzt, landet bei der OTIF-Liefertreue als übergeordnetem Maß.

Warum Excel und JTL das nicht sauber können

Die meisten Dienstleister bauen ihre SLA-Auswertung in Excel auf einem CSV-Export aus dem WaWi. Das funktioniert, bis es nicht mehr funktioniert - und zwar an genau den Punkten, die oben beschrieben sind:

  • Die Cutoff- und Werktagslogik muss als verschachtelte Formel nachgebaut werden, inklusive Feiertagstabelle pro Region. Bei jedem Feiertagswechsel und jeder Mandantenregel wächst die Formel weiter, bis sie niemand mehr versteht.
  • Die Ausschlüsse (Rückhalte, Backorder, Storno) stehen oft in anderen Tabellen als das Versanddatum und müssen manuell zusammengeführt werden. Jeder Export ist ein Stichtag - historische Holds, die inzwischen aufgelöst sind, verfälschen die Zahl.
  • Pro-Mandant-Regeln bedeuten in Excel pro Mandant ein eigenes Tabellenblatt oder eine Spalte mit Sonderlogik. Das skaliert nicht über eine Handvoll Kunden hinaus.
  • Der Export ist eine Momentaufnahme. Eine SLA gehört auf einen Bildschirm, der sich selbst aktualisiert - nicht in eine Datei, die jemand jeden Montag von Hand zieht und die am Dienstag schon veraltet ist.

JTL-WaWi selbst liefert die Rohdaten - Bestelldatum, Zahlungsstatus, Versanddatum, Rückhaltegründe - aber keine fertige SLA-Auswertung mit Cutoff-, Werktags- und Mandantenlogik. Die berechneten Größen wie der Soll-Versandtag oder das Pünktlich-Flag existieren in der Datenbank nicht physisch. Sie müssen aus den Rohwerten abgeleitet und konsistent über alle Mandanten angewendet werden. Das ist keine Tabellenkalkulationsaufgabe, sondern eine Datenmodellierungsaufgabe.

Genau diese Logik baut das SLA-Reporting pro Mandant von max.dash auf den Rohdaten deiner JTL-WaWi auf - lesend, ohne Eingriff in dein System. Cutoff, Werktagskalender, Feiertage pro Standort und mandantengetrennte Regeln sind konfigurierbar, die Quote aktualisiert sich live, und jede Verletzung ist bis zur einzelnen Bestellung nachvollziehbar. So wird aus einer diskutablen Monatszahl ein Wert, dem Dienstleister und Mandant gleichermaßen vertrauen.

Begriffe wie Cutoff, Soll-Versandtag oder Mandant sind im Glossar kurz erklärt. Zum Gegenchecken der eigenen Umsetzung eignet sich die SLA-Checkliste.

ST.02 / DEMO

SLA, die deine Mandanten nachrechnen können

Wir zeigen dir an deinen eigenen JTL-Daten, wie eine sauber definierte SLA-Quote pro Mandant aussieht - Cutoff, Werktage und Ausschlüsse inklusive.